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Die Bombardierung von Wohngebieten ist ein Verbrechen

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Die bombardierte Stadt Homs in Syrien.

Diese Feststellung klingt für viele Menschen selbstverständlich. Die meisten von uns hier in Deutschland haben glücklicherweise noch nie Bombenangriffe erlebt, doch noch leben Mütter, Väter, Großeltern, die von den schrecklichen Bombennächten in ihrer Kindheit erzählen können. Die Verzweiflung, wenn man während des Zweiten Weltkrieges wieder einmal nachts aus dem warmen Bett in den kalten Keller musste und dort voller Angst das schreckliche Pfeifen und die Einschläge in der Umgebung hörte – und am nächsten Tag die Zerstörung und das Leiden derer sehen konnte, die getroffen wurden. Und heute noch, mehr als 70 Jahre nach Kriegsende, versetzen regelmäßig auch in unseren Städten Funde von immer noch hoch explosiven Überresten dieser Bombardierungen ganze Wohngebiete in Aufregung.

Aus der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges wurde 1949 die Genfer Konventionen erweitert und der Schutz der Zivilbevölkerung im Krieg stärker verankert. Das Völkerrecht verbietet Angriffe auf zivile Ziele und verpflichtet kriegsführende Parteien zur Unterscheidung von zivilen und militärischen Zielen und zur Vermeidung unnötigen Leids. Trotzdem leben heute wieder Menschen in unserem Land, die ähnliche Alpträume durchgemacht haben wie unsere Großeltern. Viele von ihnen sind – nicht zuletzt aufgrund der nicht aufhörenden Bombardierungen – aus Syrien geflohen und auf vielen Umwegen in Deutschland gelandet. Andere haben ihre Familien in Flüchtlingslagern in Jordanien oder bei Familien im Libanon in Sicherheit gebracht. Aber viele Menschen harren noch aus im Bombenhagel oder fliehen innerhalb ihres Landes von Ort zu Ort – in Syrien, im Jemen, im Irak, in der Ukraine…

So wichtig die humanitäre Hilfe gerade in den genannten Ländern ist – einschließlich der lebensrettenden Entminungsarbeiten: Wir müssen uns auch politisch gegen das Unrecht und gegen die ständige Verletzung des Völkerrechts wehren. Kein militärisches Ziel rechtfertigt das massenhafte Leiden der Zivilbevölkerung in so vielen Ländern und die gnadenlose Zerstörung wichtiger Lebensräume einschließlich lebensrettender Einrichtungen wie Krankenhäuser.

Bei Handicap International kennen wir politisches Engagement aus den internationalen Kampagnen gegen Landminen und Streubomben. Beide haben wir mit gegründet und bis heute aktiv mitgestaltet. Und diese Kampagnen haben stark beigetragen zum Abschluss der internationalen Abkommen über die Verbote von Anti-Personen-Minen und Streubomben. Mit einigen der bewährten Mitstreiter-Organisationen haben wir 2011 das International Network on Explosive Weapons (INEW) gegründet. Unser gemeinsames Ziel: Möglichst viele Staaten sollen mit einer politischen Erklärung das Völkerrecht stärken und sich dazu verpflichten, die Bombardierung von Zivilbevölkerung zu beenden, die dramatischen Folgen anzuerkennen und die betroffenen Menschen und Gebiete zu unterstützen.

Mit unserer Petition „Stop Bombing Civilians!“ bitten wir um Unterstützung dieser Forderungen. Auch wenn die Nachrichten aus den aktuellen kriegerischen und politischen Schauplätzen nicht zu Hoffnungen anregen – gerade deshalb braucht es immer wieder Organisationen, Regierungen und viele engagierte Menschen, die das offensichtliche Unrecht nicht hinnehmen!