Im Angesicht globaler Krisen ist Bildung ist der Schlüssel für eine resiliente Gesellschaft. Unsere neue Publikation zeigt, warum zivilgesellschaftliche Organisationen dabei unverzichtbar sind – und welche Unterstützung sie jetzt brauchen.
Unsere Welt steht vor enormen Herausforderungen: Die Klimakrise raubt Millionen von Menschen ihre Lebensgrundlagen, Desinformation und Populismus gefährden Demokratien und finanzielle Ungleichheiten wachsen weiter. Angesichts dieser globalen Herausforderungen und wachsender Bedrohungen für Demokratie und Menschenrechte wird eine bessere Bildung dringender benötigt denn je.
Kompetenzen wie Selbstwirksamkeit, Empathie und Diskussionsfähigkeit sind essenziell, um die Grundlagen für eine nachhaltige und resiliente Gesellschaft zu legen. Zivilgesellschaftliche Organisationen spielen hierbei eine unverzichtbare Rolle, doch ihre Arbeit wird unzureichend unterstützt, was zu prekären Arbeitsumständen und geringer Sichtbarkeit führt.
Gemeinsam mit dem Deutschen Bundesjugendring (DBJR) und dem Bündnis ZukunftsBildung hat VENRO die Bündnispublikation „Kräfte bündeln, Zukunft gestalten“ veröffentlicht. Die Publikation rückt die entscheidende Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen bei der Umsetzung von Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in Deutschland in den Fokus.
Zivilgesellschaft wird häufig ausgebremst
Die drei zivilgesellschaftlichen Akteure hatten bereits 2022 den letzten Bericht der Bundesregierung (2017–2021) zur Umsetzung von BNE kritisch kommentiert, unter anderem weil dort die Arbeit der Zivilgesellschaft nicht berücksichtigt wurde.
Der neue gemeinsame Bericht schließt diese Lücke: Er zeigt auf, was bereits geleistet wird und fordert die Politik auf, Bildungsinitiativen zu fördern und stärker in die Bildungslandschaft zu integrieren. Die Zivilgesellschaft ist bereit, notwendige Veränderungen für eine bessere Bildung voranzutreiben. Sie bringt innovative Ansätze und wichtige Netzwerke ein, die weit über das hinausgehen, was staatliche Institutionen allein leisten könnten. Allerdings wird sie häufig ausgebremst – vor allem durch bürokratische Hürden, prekäre Finanzierungsbedingungen und fehlende strukturelle Anerkennung.
Die Publikation beleuchtet wichtige Themen wie Förderstrukturen, Entbürokratisierung und Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Bildungsarbeit. Sie zeigt anhand verschiedener Good-Practice-Beispiele auf, wie zivilgesellschaftliche Organisationen in den Bereichen frühkindliche Bildung, Schule, berufliche Bildung, Hochschule, Erwachsenenbildung, Kommunen sowie in non-formellem und informellem Lernen aktiv sind.
Es braucht gezielte Unterstützung der Politik
Die Zivilgesellschaft ist eine starke Partnerin für eine bessere Bildung und eine breitenwirksame und strukturelle Verankerung von BNE in der Bildungslandschaft. Um die notwendige Bildungsarbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen langfristig zu sichern, formuliert der Bericht verschiedene Forderungen, wie die Politik diese wertvolle Arbeit gezielt unterstützen kann:
- Demokratie und Zivilgesellschaft stärken: Shrinking civic spaces muss aktiv entgegengewirkt werden. Die Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDG) und eine sozial ökologische und ökonomische Transformation erfordern eine resiliente Demokratie.
- Förderstrukturen verbessern und bürokratische Hürden abbauen: Es braucht langfristige Förderzeiträume, transparente Bewerbungsprozesse und vollständig finanzierte Projekte ohne Eigenanteile, um Organisationen zu entlasten.
- Ausreichend finanzielle Mittel bereitstellen: Der Staat muss Ressourcen für die Zivilgesellschaft bereitstellen und die Bildungslandschaft modernisieren. Der Staat muss einerseits der ihm aufgetragenen Fürsorgepflicht nachkommen und auf der anderen Seite das Subsidiaritätsprinzip und Initiativrecht wahren, um zivilgesellschaftliches Engagement sowie die nötigen Freiräume für Bildungsorte zu gewähren.
- BNE strukturell verankern: Der Übergang von Einzelprojekten zu nachhaltigen Strukturen ist entscheidend, um die SDG schneller und effektiver umzusetzen.
Jetzt ist es Zeit zu handeln, denn eines ist klar: Wer an der Bildungsarbeit spart, gefährdet die Grundlagen einer resilienten Gesellschaft. Die Zivilgesellschaft ist bereit, ihren Beitrag zu leisten. Doch sie braucht Unterstützung, damit ihre Arbeit nachhaltig wirken kann.
Die Publikation „Kräfte bündeln, Zukunft stärken – Beste Bildung durch eine starke Zivilgesellschaft – ein Appell“ ist in der VENRO-Mediathek abrufbar.
Karla-Felicitas Braun arbeitet bei VENRO als Referentin im Bereich Stärkung der Zivilgesellschaft.
Dieser Artikel ist in ähnlicher Form zuerst in der ZEP – Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik erschienen (Ausgabe 1/25).
| Karla-Felicitas Braun | VENRO |
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