Politik

Kinderrechte sind Klimarechte: Jugend fordert Mitbestimmung

Teilnehmerinnen aus Sri Lanka berichten im Petitionsworkshop auf der Jugendkonferenz.

Die Stimme der jungen Generation muss gehört werden, verlangen Jugendliche aus aller Welt auf der internationalen Jugendkonferenz unserer Mitgliedsorganisation Kindernothilfe. In einer Petition fordern sie, dass Kinderrechte auf der COP30 in Belém ins Zentrum rücken.

In jedem Jahr gibt es diese besonderen Momente auf der internationalen Jugendkonferenz, in denen man als Teilnehmer oder Beobachter ein ganz besonderes Gefühl bekommt. So wichtig und dringend der Anlass auch ist, der Jugendliche aus aller Welt zusammenbringt, um zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen – der wahre Kern dieser Konferenz liegt in der Erfahrung, Netzwerke zu knüpfen, Brücken zu bauen und neue Freundschaften entstehen zu lassen.

Unter dem Motto „Demokratie und Klimakrise – Wie können sich junge Leute aktiv in den Klimaschutz einbringen?“ haben sich auf der internationalen Jugendkonferenz der Kindernothilfe im September Schüler_innen aus ganz Deutschland mit jungen Gästen aus unseren Projektländern Sri Lanka, Südafrika, Brasilien und der Republik Moldaugetroffen. Auf dem Programm standen zahlreiche Workshops, Diskussionsrunden und Vorträge, bei denen die Teilnehmenden ihre Ideen und Meinungen austauschen und gemeinsam an konkreten Projekten arbeiten konnten.

Ein zentraler Aspekt der Konferenz war der Erfahrungsaustausch – insbesondere im Hinblick auf die Frage, wie die Klimakrise den Alltag der Jugendlichen weltweit bereits konkret beeinflusst. Europa gilt als „Hotspot“ des Klimawandels, da sich die Region doppelt so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt. Dennoch bleiben die konkreten Folgen für viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland oft abstrakt.

Umso eindrücklicher waren die Berichte der Teilnehmenden aus Südafrika, die bereits hautnah erleben, wie Überflutungen Schulwege unpassierbar machen und ihnen so das Recht auf Bildung verwehren. Diese persönlichen Erfahrungen flossen in das große Ganze ein, etwa wenn in einem Vortrag über die Auswirkungen der Klimakrise auf Kinderrechte verdeutlicht wurde, dass Wetterextreme im Jahr 2024 weltweit jedes siebte Schulkind – rund 250 Millionen Kinder – vom Unterricht fernhielten. Auch während der Jugendkonferenz wurde die Dringlichkeit dieses Themas spürbar.

Demokratie braucht politische Jugendbildung

Bei der Konferenz ging es jedoch nicht primär darum, die Folgen der Klimakrise erlebbar zu machen, sondern vielmehr darum, gemeinsam an konkreten Handlungsoptionen zu arbeiten – die große Stärke der Jugendkonferenz.

Die Vorträge und Diskussionen verdeutlichten, dass junge Menschen weiterhin große Sorgen in Bezug auf den Klimawandel haben. Diese Sorgen spiegeln sich in einem starken Engagement für den Klima- und Umweltschutz wider. Dabei handelt es sich keineswegs nur um einen Eindruck aus einer vermeintlichen Blase von Klimaaktivistinnen und -aktivisten – auch aktuelle Jugendstudien belegen, dass der Klimawandel für die junge Generation eine der größten Bedrohungen darstellt und bei vielen eine ausgeprägte Besorgnis auslöst.

Diese Angst und das Gefühl der Ohnmacht, die ohne konkrete Handlungsoptionen schnell zu einer Entfremdung von demokratischen Prozessen führen können, lassen sich jedoch nur durch Maßnahmen überwinden, die die Jugendlichen tatsächlich ansprechen und bei denen sie sich ernst genommen fühlen. Die Jugendkonferenz bot genau diesen Raum, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln und den Teilnehmenden das Gefühl zu geben, aktiv etwas bewirken zu können.

Eine Teilnehmerin aus Sri Lanka hat beispielsweise selbst eine App programmiert, mit der sich der ökologische Fußabdruck ganz einfach berechnen lässt. Die App bietet zudem konkrete Handlungsempfehlungen, wie man diesen Fußabdruck im Alltag weiter reduzieren kann. Schülerinnen aus Kiel wiederum stellten ein Projekt vor, das am Ernst-Barlach-Gymnasium ins Leben gerufen wurde und darauf abzielt, Ecosia als Standardsuchmaschine in Schulen und Kommunen zu etablieren.

Ziel ist es, eine umweltfreundlichere Alternative zu Google zu fördern. Durch die Nutzung von Ecosia können Schülerinnen mit jeder Suchanfrage Bäume pflanzen, da Ecosia einen Teil seiner Einnahmen in Umweltschutzprojekte investiert. Diese Schülerinitiative hat es geschafft, Ecosia als Standardbrowser in Kiel durchzusetzen, indem sie aktiv mit kommunalen Entscheidungsträgern zusammengearbeitet hat. Solche Projekte zeigen eindrucksvoll, wie Jugendliche durch Eigeninitiative und Engagement konkrete Veränderungen bewirken können.

Werden die Bedürfnisse von Jugendlichen ausreichend berücksichtigt?

So wichtig diese lokalen Initiativen auch sind, um sich im eigenen Umfeld für mehr Klimaschutz einzusetzen, war den Teilnehmer_innen der Jugendkonferenz natürlich bewusst, dass die Klimakrise ein globales Problem darstellt, das globale Lösungen erfordert. Doch auch hier zeigte sich ein zentrales Problem, das viele der Jugendlichen beschäftigt: Warum werden die Verhandlungen über ein Problem, das vor allem ihre Generation betrifft, in erster Linie von Menschen geführt, die zwar maßgeblich zur Entstehung der Klimakrise beigetragen haben, die konkreten Folgen jedoch kaum noch selbst erleben werden?

Zudem stellt sich die Frage, ob die Interessen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen überhaupt ausreichend berücksichtigt werden, wenn sie selbst nicht mit am Verhandlungstisch sitzen. Gerade in einer Zeit, in der die globale Klimapolitik zunehmend darüber diskutiert, wie mit den bereits spürbaren Folgen der Klimakrise umgegangen werden kann und wie sich Gesellschaften besser schützen können, bleibt unklar, ob die Perspektiven der jungen Generation in diese Debatten einfließen. Dieses Spannungsfeld zwischen lokaler Verantwortung und globaler Gerechtigkeit war ein wichtiges Thema der Jugendkonferenz.

Petition: Jugendliche fordern ihr Recht auf Mitbestimmung

Ein zentraler Handlungsansatz, der für die Teilnehmer_innen der Jugendkonferenz deutlich wurde, ist die Notwendigkeit, sich auch auf internationaler Ebene in die Klimapolitik einzubringen, um die Stimme und die Interessen von Kindern und Jugendlichen hör- und sichtbar zu machen. Gemeinsam erarbeiteten die Jugendlichen daher eine Petition, die sich sowohl an die Vereinten Nationen als auch an die Regierungen der vier Herkunftsländer der Teilnehmenden richtet.

Die Petition betont unmissverständlich: Der Schutz der Rechte von Kindern und Jugendlichen ist untrennbar mit dem Schutz unseres Planeten verbunden. Kinder und Jugendliche machen ein Drittel der Weltbevölkerung aus und sind überproportional von den Folgen des Klimawandels betroffen. In der Petition fordern die Jugendlichen die Entscheidungsträger_innen auf, sicherzustellen, dass der Schutz der Kinderrechte – darunter das Recht auf Gesundheit, Bildung, Schutz, Teilhabe und eine lebenswerte Zukunft – zur Grundlage aller Entscheidungen auf der Weltklimakonferenz (COP30) in Belém wird.

Die Jugendlichen machten deutlich, dass entschlossene Maßnahmen gegen den Klimawandel unerlässlich sind, um die Rechte heutiger und zukünftiger Generationen wirksam zu schützen. Die Petition ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie junge Menschen ihre Stimme erheben, um globale Verantwortung einzufordern und aktiv an der Gestaltung ihrer Zukunft mitzuwirken.

Wie kommen die Forderungen an den Verhandlungstisch der COP?

Doch wie geht es jetzt weiter? Wie können die Forderungen der Jugendlichen in den Prozess der COP30 in Belém eingebracht werden? Ein erster wichtiger Schritt war die Teilnahme einer Delegation von Jugendlichen an der Local Conference of Youth (LCOY) in Lüneburg. Bei dieser offiziellen Jugendklimakonferenz ging es darum, gemeinsam mit anderen jungen Klimaaktivist_innen in einem deutlich größeren Rahmen an einem Global Youth Statement zu arbeiten, das auf der COP30 an die Präsidentschaft übergeben wird. Solche sogenannten LCOYs finden weltweit statt, und auch die Delegation aus Sri Lanka hat bereits an der dortigen LCOY teilgenommen.

Doch es bleibt nicht nur bei der Mitwirkung am Global Youth Statement. Auch die Kindernothilfe wird bei der COP30 mit einer Delegation von Jugendlichen aus Bangladesch und Brasilien vertreten sein. Im Rahmen des offiziellen COP-Programms werden wir mindestens auf drei Side-Events die Möglichkeit haben, die Forderungen der Jugendlichen direkt an die Verhandlungsdelegationen zu adressieren. Parallel dazu werden wir auf dem alternativen zivilgesellschaftlichen Gipfel, der Cúpula dos Povos, gemeinsam mit einer Partnerorganisation aus Brasilien einen Kinder- und Jugendgipfel veranstalten. Ziel ist es, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen aus der Region Belém die Gelegenheit zu geben, gemeinsam über die Klimakrise zu diskutieren und Forderungen zu formulieren, die wiederum in die Verhandlungen eingebracht werden.

Wer vor Ort ist, ist herzlich eingeladen, an unseren Side Events in der ersten Woche der COP30 teilzunehmen – zum Beispiel am Dienstag von 10:25 bis 10:40 Uhr im Youth Pavilion, am Mittwoch von 17:05 bis 17:20 Uhr ebenfalls im Youth Pavilion sowie am Samstag von 12:00 bis 13:30 Uhr im UNFCCC Pavilion.

Um die Botschaft der Petition zu verstärken, haben die Teilnehmer_innen der Jugendkonferenz einen beeindruckenden Stop-Motion-Film für die COP30 produziert. Die zentrale Aussage ist unmissverständlich: Die Zeit zum Handeln ist jetzt!


Malte Pfau arbeitet als Advocacy Officer bei der Kindernothilfe und beschäftigt sich mit den Themen Klimagerechtigkeit und Bildungsfinanzierung.

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