Politik

COP30 im Amazonas: Zwischen Aufbruchsstimmung und ausbleibenden Antworten

Indigene Vertreter_innen bei den COP-Verhandlungen

Mit der 30. Weltklimakonferenz hatte Brasilien große Hoffnungen geweckt – und Belém bot tatsächlich eine lebendige Konferenz mit viel politischer Bewegung. Doch am Ende steht ein schwacher Kompromiss, der die drängendsten Fragen unbeantwortet lässt. Belém wird dennoch nachwirken – weniger durch seine Beschlüsse als durch die Erkenntnis, dass die Zukunft der globalen Klimapolitik immer stärker jenseits des eigentlichen Verhandlungstisches entschieden wird. Das ist auch eine Chance für die Zivilgesellschaft.

Ein zentraler Punkt auf der Agenda der diesjährigen Weltklimakonferenz (COP30) war die Ausgestaltung des Globalen Anpassungsziels, insbesondere eines im Vorfeld erarbeiteten Sets von 100 Indikatoren zu dessen Monitoring. Am Ende wurden 59 Indikatoren beschlossen. Viele Entwicklungsländer betrachten diese als unzureichend, teilweise sogar kontraproduktiv, weil sie das Berichtswesen erschweren könnten. Die Formulierung, dass sie für Entwicklungsländer nicht verbindlich seien und keine globalen Methodiken etablieren sollten, birgt Potenzial für zukünftige Blockaden.

Die beschlossene Verdreifachung der Klimaanpassungsfinanzierung klingt erstmal ambitioniert. Ohne Basisjahr, ohne klare Zielsumme und erst bis 2035 geplant, ist der Beschluss jedoch offen für Interpretation – und bietet Ländern, die mit Dürren, Fluten und Küstenerosion kämpfen, keinerlei Sicherheit.

Die Bundesregierung gehörte zu den Bremsern, was eine ambitionierte Finanzierung angeht. Dabei steht die aktuelle Anpassungsfinanzierung bereits jetzt unter starkem Druck: Denn schon heute sinken die Mittel – die ärmsten Staaten sind nicht einmal in der Lage, nach den neuen Indikatoren zu berichten, da die Finanzierung dafür fehlt.

Zivilgesellschaft und Indigene: Sichtbar, aber weiterhin an den Rand gedrängt

In Belém gab es eine starke zivilgesellschaftliche und indigene Präsenz. Mit dem People’s Summit, verschiedenen zivilgesellschaftlichen Nebengipfeln, Konferenzen und Kulturveranstaltungen gab es in der Stadt ein gewisses Gegengewicht zur Verhandlungsrealität und der zugangsbeschränkten Blue Zone. Ein Höhepunkt war der Marsch durch Belém mit zehntausendenden Teilnehmenden, da nach drei Jahren erstmals wieder eine Form von offenem Protest während einer COP möglich war.

Die Beteiligung an den Verhandlungen selbst blieb jedoch meist symbolisch: Die Menschen, die von der Klimakrise am stärksten betroffen sind, bleiben nach wie vor am Rand der Entscheidungsfindung. Dies spiegelt sich auch in den schwachen Ergebnissen wider.

Fossiler Ausstieg und Just Transition – kleine Fortschritte in die richtige Richtung

Die Initiative Brasiliens, eine Roadmap zum Ausstieg aus den fossilen Energien zu beschließen, entfaltete im Laufe der Verhandlungen große Aufmerksamkeit und Hoffnung. 80 Staaten sprachen sich am Ende dafür aus, insbesondere vorangetrieben von der Europäischen Union (EU) und lateinamerikanischen Ländern. Letztlich wurde lediglich ein Verweis auf den Beschluss zum Umstieg auf fossile Energien von der COP28 in Dubai aufgenommen. Auch wenn Brasilien an dieser Stelle weitermachen möchte und mit den 80 Ländern vorangehen will, bleibt hier vor allem Ernüchterung zurück.

Ein gewisser Fortschritt ist der neue Mechanismus für den „gerechten Übergang“ (Just Transition Mechanism). Dieser wurde insbesondere von der internationalen Zivilgesellschaft eingebracht und bietet erstmals einen strukturierten Ansatz, um Länder beim sozialverträglichen Umbau ihrer Energiesysteme zu unterstützen. Doch der Text bleibt unvollständig: Kritische Rohstoffe und der notwendige fossile Ausstieg – die eigentliche Grundlage jeder gerechten Transformation – wurden nicht berücksichtigt. Die entscheidende Ausgestaltung dieses Mechanismus wird daher erst in den kommenden Monaten erfolgen.

Zukunft der COP: Neue Allianzen, fragmentierte Klimapolitik

Belém macht deutlich, dass die kommenden Klimakonferenzen nicht mehr primär Orte großer Verhandlungserfolge sein werden, sondern zunehmend Räume, in denen überprüft wird, was zwischen den Konferenzen tatsächlich umgesetzt wurde. Der Fokus verschiebt sich somit hin zu Umsetzung, Transparenz und Rechenschaft sowie zu der Frage, wie sich finanzielle und technische Zusagen in der Realität auswirken.

Zugleich zeigt sich wieder einmal, wie sehr der Multilateralismus unter geopolitischem Druck steht. Die Abwesenheit zentraler Akteure wie der US-Regierung, einer fragmentierten EU, wachsende Spannungen zwischen großen Emittenten sowie der Einfluss fossiler Interessen schwächen die Verhandlungskraft des UNFCCC-Prozesses deutlich. In diesem Umfeld erhält China zu wenig Gegenwind, während viele Industriestaaten durch unerfüllte Finanzzusagen an Glaubwürdigkeit verlieren. Dadurch verschieben sich zentrale Entscheidungen zunehmend in strategische Allianzen, wirtschaftspolitische Auseinandersetzungen und andere Bündnisse – Formate, die schneller handeln können als der globale Konsens, aber auch zu einer weiter fragmentierten Klimapolitik führen.

Künftiges Format birgt Chance für die Zivilgesellschaft

Trotz aller Einschränkungen bietet diese Veränderung auch eine Chance für die Zivilgesellschaft: Gerade weil die COPs weniger technokratisch und stärker umsetzungsorientiert werden, können sie inklusiver werden, wenngleich Bedrohungen, eingeschränkte Teilnahme und Shrinking Space” weiterhin große Herausforderungen darstellen. Die Dynamik der kommenden Jahre wird davon abhängen, ob es gelingt, diese Räume offenzuhalten und zu erweitern.

Die nächste COP findet 2026 in der Türkei statt, mit Australien als Verhandlungsführerin. Die im Vorfeld terminierte Pre-COP findet im Pazifik gemeinsam mit den Inselstaaten statt – ein wichtiger Schritt, um die Perspektiven besonders betroffener Regionen sichtbarer zu machen. Eine solche Konstellation ist neu – und wird zeigen, ob sich daraus neuer Schwung für die dringend nötige Ambition entwickeln wird.

Die Inhalte auf dem VENRO-Blog geben Meinungen und Einschätzungen unserer Autor_innen wieder. Sie können von abgestimmten VENRO-Positionen abweichen.