Die Nachhaltigkeitsagenda läuft 2030 aus, die globalen Herausforderungen bleiben. Auch wenn die Agenda 2030 ihre Ziele voraussichtlich nicht vollständig erreichen wird, hat sie die internationale Nachhaltigkeitspolitik erheblich geprägt. Nun gilt es, ihre Stärken in einen neuen globalen Nachhaltigkeitsrahmen zu überführen.
Im September 2027 kommt die Weltgemeinschaft zum Nachhaltigkeitsgipfel (Sustainable Development Goals Summit, SDG Summit) der Vereinten Nationen in New York zusammen, um die Weichen für die Zukunft der Agenda 2030 zu stellen. Dort wird darüber beraten, wie die internationale Nachhaltigkeitsagenda nach 2030 ausgestaltet werden soll. Bisher fällt die Bilanz der Agenda gemischt aus: Zwar haben die Nachhaltigkeitsziele weltweit wichtige Fortschritte angestoßen, jedoch wird ein Großteil der Ziele bis 2030 voraussichtlich nicht erreicht werden.
Durch die Agenda 2030 haben sich die Lebensbedingungen vieler Menschen weltweit verbessert. Laut SDG-Bericht 2025 gab es vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Energie bedeutende Fortschritte. Seit 2015 sind die Einschulungs- und Abschlussquoten gestiegen. 110 Millionen zusätzliche Kinder und Jugendliche, insbesondere Mädchen, gehen zur Schule. Zwischen 2015 und 2023 sank die weltweite Müttersterblichkeit von 228 auf 197 Todesfälle je 100.000 Lebendgeburten, die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren ging im gleichen Zeitraum um 16 Prozent zurück. Der Zugang zu Elektrizität erreichte im Jahr 2023 92 Prozent der Weltbevölkerung.
Trotz dieser Erfolge ist abzusehen, dass die Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 nicht gänzlich erreicht werden. Laut jüngstem Fortschrittsbericht des UN-Generalsekretärs verzeichnen nur 36 Prozent der Ziele angemessene Fortschritte. Bei fast der Hälfte der Ziele sind die Fortschritte lediglich gering oder stagnieren.
Vermächtnis der Agenda 2030 geht über Zielerreichung hinaus
Gleichzeitig sollte der Erfolg der Agenda 2030 nicht allein an der Umsetzung ihrer Ziele gemessen werden. Denn bereits jetzt hat sie wichtige Grundsätze etabliert, die auch eine Agenda nach 2030 prägen sollten. Allein die Einigung auf ein gemeinsames globales Rahmenwerk war ein wichtiger Meilenstein.
Ebenso bedeutsam ist ihr universeller Anspruch: Erstmals verständigte sich die Weltgemeinschaft darauf, dass globale Nachhaltigkeitspolitik nicht nur die Aufgabe einzelner Länder ist. Vielmehr tragen alle Staaten die Verantwortung, globale Herausforderungen wie Armut, Hunger, Ungleichheit oder die Klimakrise gemeinsam zu bewältigen und eine sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltige Zukunft für alle zu gestalten.
Darüber hinaus hat die Agenda 2030 das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen und globale Nachhaltigkeitspolitik weltweit gestärkt und politische Prozesse angestoßen. Verschiedenste Akteur_innen wie die Zivilgesellschaft, Regierungen, die Wissenschaft oder die Privatwirtschaft arbeiten gemeinsam an der Umsetzung.
Deshalb sollte sich die Bilanz der Agenda 2030 nicht allein an der Zielerreichung orientieren. Ebenso wichtig sind ihr universeller Anspruch, das Zusammendenken von sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit, die gemeinsame Verantwortung aller Staaten sowie die Einbindung unterschiedlichster Akteur_innen.
Beyond 2030: Auf den Stärken der Agenda aufbauen
Diese Errungenschaften zeigen, dass die Idee eines gemeinsamen globalen Nachhaltigkeitsrahmens nicht gescheitert ist. Umso mehr gilt es nun, diese Stärken in ein Rahmenwerk für die Zeit nach 2030 zu überführen, das nicht hinter der Agenda zurückfällt.
Ob es sich dabei um eine Verlängerung oder Weiterentwicklung der Agenda 2030 oder um eine Fokussierung auf bestimmte Themen handelt, wird im weiteren Prozess entschieden, der beim Nachhaltigkeitsgipfel im kommenden Jahr offiziell angestoßen wird. Ein Nachfolgeabkommen sollte auf den Stärken der Agenda 2030 aufbauen, statt grundlegende Einigungen erneut zur Verhandlung zu stellen. Ein politischer Neustart würde nicht nur wertvolle Zeit kosten, sondern könnte auch bereits erzielte Fortschritte gefährden.
Unsere Vorschläge für die Ausgestaltung eines Nachfolgeabkommens und welche Prinzipien uns dabei besonders wichtig sind, formulieren wir in einem gemeinsamen Standpunkt mit unseren Partnernetzwerken ABONG, CCRDA und VANI.
Karoline Krähling arbeitet bei VENRO als Referentin im Bereich Globale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung.
| Karoline Krähling | VENRO |
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