Politik

Das Jahr 2026 wird herausfordernd – packen wir es an

Åsa Månsson, Geschäftsführerin von VENRO

Die Rahmenbedingungen für die internationale Zusammenarbeit haben sich in den letzten Monaten in alarmierender Weise verschärft. In diesen herausfordernden Zeiten braucht es neue Ansätze und gemeinsames Handeln. Zusammen mit unserem neu gewählten Vorstand und unseren Mitgliedsorganisationen stellen wir uns dieser Aufgabe – entschlossen, solidarisch und mit klarer Haltung für globale Gerechtigkeit und eine starke Zivilgesellschaft weltweit.

Ein Ausblick von VENRO-Geschäftsführerin Åsa Månsson 

Ein intensives Jahr voller Herausforderungen ist zu Ende gegangen. Mit dem neuen Jahr stehen wir jedoch vor mindestens ebenso großen Aufgaben: Bereits jetzt spitzen sich Krisen und Konflikte weltweit zu, während die wertegeleitete internationale Ordnung für uns alle spürbar erodiert. Zivilgesellschaftliche Akteur_innen werden delegitimiert und gezielt angegriffen, ihre Handlungsräume schrumpfen – auch bei uns in Deutschland. Gleichzeitig verschärfen massive Finanzierungslücken im humanitären System die ohnehin prekäre Lage von Millionen Menschen weltweit. Klar ist: Die finanziellen und politischen Rahmenbedingungen unserer Arbeit werden auch im Jahr 2026 sehr schwierig sein.

Damit VENRO in dieser herausfordernden Lage noch stärker als Impulsgeber und Innovationsförderer in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und entwicklungspolitische Bildungsarbeit agieren kann, haben wir als Verband auf der Mitgliederversammlung im Dezember 2025 eine strategische Fokussierung unserer Arbeit beschlossen. Zukünftig setzen wir auf die folgenden Themen, in denen wir politische Prozesse noch stärker mitgestalten wollen:


Finanzierung von Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe und strukturpolitische Rahmenbedingungen

Internationale Zusammenarbeit braucht ausreichende Finanzierung – national wie international. Zudem müssen globale strukturpolitische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die globale Gerechtigkeit ermöglichen und ihr nicht wie bislang entgegenstehen. Dafür setzt sich VENRO national und international aktiv ein.

Zukunft und Reform der internationalen Zusammenarbeit

In den nächsten Jahren werden zentrale Weichen für die zukünftige Ausrichtung der internationalen Zusammenarbeit gestellt. VENRO wird diese Prozesse aus zivilgesellschaftlicher Perspektive begleiten und mitgestalten.

Rolle und Rahmenbedingungen der Zivilgesellschaft (in der internationalen Zusammenarbeit)

VENRO setzt sich weiterhin für den Schutz und den Ausbau zivilgesellschaftlicher Handlungsräume weltweit sowie in Deutschland selbst ein und fordert politische Unterstützung für Zivilgesellschaft konsequent ein.

Querschnittsthema – Intersektionalität, Inklusion und Feminismus

Das normative Fundament dieser drei Schwerpunktthemen bilden dabei die Prinzipien der Intersektionalität, der Inklusion und des Feminismus, die VENROs Anspruch an eine menschenrechtsbasierte, gendersensible, effektive und inklusive internationale Zusammenarbeit zusammenfassen.


Auch wenn die Umsetzung der neuen Ausrichtung herausfordernd wird, bin ich überzeugt, dass wir uns mit dieser strategischen Neufokussierung zukunftsfähig aufstellen. Trotz aller Herausforderungen liegt in der Zuspitzung der politischen und finanziellen Lage auch eine Chance, den Verband klarer zu positionieren und unsere Ressourcen noch gezielter einzusetzen.

Ich blicke mit großer Sorge, aber zugleich mit Zuversicht und Motivation auf das neue Jahr. Als Verband haben wir eine fantastische Ausgangsbasis, um gemeinsam auf unsere Politikfelder einzuwirken und unsere Themen wirkungsvoll voranzubringen. Unsere 145 Mitgliedsorganisationen sind hier ein gewaltiges Pfund! Sie verfolgen ähnliche Ziele, verfügen gemeinsam über ein enormes Maß an Erfahrung und Expertise und sind weltweit verankert. Gleichzeitig decken unsere Mitglieder ein breites Themenspektrum ab, erreichen verschiedenste Gruppen und transportieren vielfältige Botschaften.

Gemeinsam haben wir jetzt schon hervorragende Zugänge in die Politik: in die Ministerien und den Bundestag, in die Landtage sowie in die Parteien und Fraktionen. Nicht zuletzt wissen wir auch sehr viele Menschen an unserer Seite. Den oft zitierten schwindenden Unterstützungszahlen zum Trotz gibt es weiterhin sehr viele, die sich für globale Gerechtigkeit einsetzen und uns in unserer Arbeit unterstützen.

Mehr denn je gilt es jetzt, unsere Kräfte gezielt zu bündeln: Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere politische Durchsetzungskraft erheblich steigern können, wenn es uns gelingt, unsere Stärken noch systematischer zusammenzuführen.

Ich freue mich sehr darauf, unsere Vorhaben und Aufgaben gemeinsam mit unserem neu gewählten Vorstand in diesem Jahr voranzutreiben und weiterzuentwickeln. Wir werden unserer Verantwortung gerecht werden, unsere Stärken und unsere Kraft gebündelt für das Anliegen globaler Gerechtigkeit einzusetzen und für die Bedeutung der Zivilgesellschaft in allen Demokratien – in Deutschland und weltweit – zu kämpfen. Denn zusammen sind wir stärker.

Die Inhalte auf dem VENRO-Blog geben Meinungen und Einschätzungen unserer Autor_innen wieder. Sie können von abgestimmten VENRO-Positionen abweichen.