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Safeguarding Summit 2018: Gemeinsames Handeln im Kampf gegen sexualisierte Gewalt

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Safeguarding Summit 2018 in London

Nach dem Bekanntwerden von sexuellem Fehlverhalten in der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe zu Beginn des Jahres kamen im Oktober 2018 mehr als 500 staatliche und nichtstaatliche Akteure in London zusammen, um beim Safeguarding Summit gemeinsames Handeln bei der Prävention von sexualisierter Gewalt voranzubringen.

Der Gipfel in London zielte unter dem Titel Putting people first darauf ab, Überlebenden und Betroffenen eine Stimme zu geben, die Verantwortlichkeit ihnen gegenüber zu verdeutlichen und sie vor jeglicher Art von Machtmissbrauch zu schützen. So berichteten in der Eingangsdiskussion Betroffene über ihre Erfahrungen und betonten, dass Sicherheit und Schutz von Überlebenden und Betroffenen sexualisierter Gewalt oberste Priorität haben und Straflosigkeit von Täter_innen beendet werden müsse.

Die Entschlossenheit der Beteiligten, die Prävention sexualisierter Gewalt und den angemessenen Umgang mit mutmaßlichen Vorfällen gemeinsam fortzuführen, wurde auch im darauffolgenden Teil des Gipfels deutlich. Vertreter_innen von Gebern, von NRO aus Großbritannien, aus der Privatwirtschaft und Forschungsinstitutionen sowie den Vereinten Nationen (UN) stellten vorab erarbeitete Selbstverpflichtungen vor und erläuterten dementsprechende Maßnahmen und Aktivitäten zur Umsetzung für die kommende Monate.

Sicherheit und der Schutz der Betroffenen ist essentiell

Putting people first – also die Wichtigkeit, die Bedarfe und Wünsche von Betroffenen von sexualisierter Gewalt ernst zu nehmen und in die Präventions- und Reaktionsmaßnahmen der Organisationen zu integrieren – wurde von den Rednerinnen und Rednern immer wieder betont. Hierzu bedürfe es geeigneter, transparenter und erreichbarer Hinweisgebersysteme, um Beschwerden entgegenzunehmen und einen vertrauensvollen und transparenten Mechanismus zur Bearbeitung eingegangener Hinweise. Die Sicherheit und der Schutz der Betroffenen müsse dabei immer an oberster Stelle stehen, so die Teilnehmenden.

„We create the environment where incidents will be reported“, betonte Sigrid Kaarg, niederländische Ministerin für Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit. Eine Organisationskultur, die eine sichere Umgebung für die Mitarbeitenden schaffe, beuge Missbrauch von Macht vor und trage dazu bei, Fälle von Fehlverhalten zu melden. Der respektvolle Umgang miteinander müsse bereits von Führungskräften vorgelebt werden. Trainings für das gesamte Personal, die die Prävention sexualisierter Gewalt thematisieren und die organisationsinternen Richtlinien diesbezüglich erläutern, sollten eingeführt werden. Jorge Dajani, Chief Ethics Officer der Weltbank, schlug als Beispiel verpflichtende Onlinekurse für alle Mitarbeitenden vor.

Intensive Diskussionen zur Frage der Prävention

Viele Teilnehmende berichteten, dass das Teilen von Erfahrungen und guten Praxisbeispielen mit anderen Akteuren essentiell sei, um die organisationseigene Prävention sexualisierter Gewalt zu verbessern. Doch auch das Lernen aus jedem eingetretenen Vorfall sei immens wichtig für die Prävention von und den Umgang mit etwaigen zukünftigen Vorkommnissen, so Penny Mordaunt, britische Staatsministerin für internationale Entwicklung. Außerdem müsse die Expertise von lokalen Gemeinden genutzt werden, um adäquate Systeme zur Prävention einzurichten, ergänzte Bharti Patel von der Kinderrechtsorganisation ECPAT UK.

Intensiv diskutiert wurden außerdem Möglichkeiten, wie man Informationen über bereits bekannte Täterinnen und Täter teilen könne, um diese an einer weiteren Beschäftigung in anderen Organisationen auszuschließen. Vorgeschlagen wurden beispielsweise die Einführung eines „humanitären Passports“ mit Hintergrundinformationen zu Mitarbeitenden im humanitären Bereich oder ein neues Misconduct Disclosure Scheme, das größere organisationsübergreifende Transparenz schaffen solle.

Wie geht es nun weiter?

Der Gipfel hat gezeigt, dass das Thema Safeguarding den Sektor im Jahr 2018 intensiv beschäftigt hat. Humanitäre und entwicklungspolitische Akteure setzen sich seit dem Bekanntwerden der Vorfälle gründlich damit auseinander, wie die Prävention von und der Umgang mit sexualisierter Gewalt verbessert werden kann. Der Gipfel hat auch gezeigt, dass das Thema seine Wichtigkeit im Laufe des Jahres nicht verloren hat und auch in Zukunft nicht verlieren wird. Die Konferenz bot eine einmalige Gelegenheit, sich mit zahlreichen unterschiedlichen Akteuren auszutauschen. Einigkeit bestand darin, das Thema weiterhin mit oberster Priorität zu behandeln und gemeinsam anzugehen sei. Hierfür seien vor allem ein intensiver Austausch sowie finanzielle und personelle Ressourcen nötig.